Zitat Tucholsky;:
"Das grösste gesellschaftliche Ereignis der Weltzeit ist vorüber.
Es war mehr als ein Ereignis, es war ein "evenement". Vor der Staatsloge
staute sich die Menge und begann bald einem Anfall von Basedow zu erliegen. Vier
Herren und zwei Damen quollen die Augen aus dem Kopf, die später eine willkommene
Bereicherung der Tombola wurden. Die Regierung war - soweit man hier von
einer Regierung sprechen kann - vollständig vertreten."
So begann Tucholsky im Jahr 1930 seinen Presseball bericht,
und wie man sieht - es hat sic nicht viel verändert.
Das Thema des Abends war aber nicht die Politik, sondern zunächst
einmal die Damenwelt - beziehungsweise deren stoffliches Drumherum.
Zitat Tucholsky:
"Eine Fülle schöner Frauen, sehr viel hintere Doppelraffungen
aus strahlend leuchtender Chinakreppgeorgettealpakachinelle. Die Kleider sind
durchweg lang, besonders unten. Ein Modell der Firma Hammerbach: "West-östlicher
Diwan" erregte allgemeines Entzücken. Frau Generalarzt Poschke in
Weiss. Henny Porten in blausa. Prinzessin Adalbert von Preussen: himmelblauer
Samt - am Rande mit Gold abgefunden."
Das hätte es früher nicht gegeben: barfüssig,
also nackten Fusses betraten einige Damen die Tanzfläche,
nur um anderen Damen vorzuführen, was die Berliner Modemacher
heutzutage so anzubieten haben. Bei einer mittleren Preislage
von 5 tausend Mark. Was bei einigen Herren doch für eine
gewisse Anspannung sorgte.
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Völlig ungeeignet
für Pressebälle ist dieses Modell. 25 Meter Stoff wurden
da verarbeitet ! Nur, wo soll man die lassen bei dem Gedränge.
Aber so war das schon immer. Max Pallenberg erklärte in
den 20er Jahren, der Name Presseball käme daher, dass sich
dort alles presse und balle. Aber woher der Name tatsächlich
kommt - wer weiss das schon ?
Herr Scheel - Wissen Sie's ?
O Töne:
Walter Scheel:: "...Mon Dieu … ich weiss es nicht..."
Walter Momper: "... Sagen sie's mir doch mal, dann weiss ichs ..."
Karl Dall: "... Dallhaus, meinen Sie ..."
Wolfgang Völz: "... Le bal, etwas rundes ... was ganz ordinär
ist..."
Tatsache ist: die Ballhäuser wurden ursprünglich für
eine Art Federballspiel gebaut, das vor etlichen hundert Jahren
in Mode war, und erst später wurden diese Sääle
für Feste zweckentfremdet.
In den eigenen Ballerlebnissen kennt sich dafür die Prominenz
immer noch bestens aus:
O Töne:
Helmut Kohl: "...Ja, das ist keine Kunst...ich tanz heut
noch sehr gut..."
Frau Kohl:"... Würden Sie Ihren Mann als guten Tänzer
bezeichnen ? ... geheilt war..."
Walter Momper: "...Wenn ich nicht tanze arbeite ich..."
Frau Momper: "Tanzt Ihr Mann gut ? " ... " Grössere
Tanzschule ... Foxtrott geht..."
Friedrich Schönfelder: "... Oh Gott, das ist lange
her ... nein, meine Frau ist nicht sehr zufrieden mit mir..."
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